Wort-Klang-Kunst

Gesamtkunstwerk aus Gedichten, Musikparodie und Bildern im Zollhäusl Tittmoning

Josef Wittmann, Andreas Koll, Luise Wittmann

Seit über zehn Jahren gibt es im Gebäude der ehemaligen Zolldienststelle an der Salzachbrücke eine Kunstgalerie. Das Besondere daran ist, dass dort nicht nur Bilder an den Wänden oder Skulpturen und Objekte auf Podesten zu sehen sind, sondern auch Vernissagen, Musikprogramme und Buchvorstellungen stattfinden. Die Gäste können dabei nicht nur zuhören, sondern anschließend ausführlich diskutieren und im Gespräch mit Gleichgesinnten anderer Meinung Erfahrung sammeln.

Alles auf einmal ist am Freitag, 6. Februar geboten: Josef Wittmann liest aus seinem neuen Gedichtband in Bairischer Sprache „O mei“ vor. „Viel schmerzlich Wahres steckt da drin, bairisch pointiert auf den (wunden) Punkt gebracht“, schreibt Dominik Schweighofer darüber im Feuilleton der PNP. Andreas Koll führt dazu musikalische Purzelbäume auf Akkordeon, Hohner-Klarinette, Trommel und Hundespielzeug vor. Er gibt seit 40 Jahren Konzerte und macht Musik zu jeder Gelegenheit: eigenwillig, kompromisslos, einfühlsam und sehr speziell. Luise Wittmann zeigt neueste Arbeiten aus ihrem Malatelier, nicht minder exzentrisch und ungewöhnlich, und dennoch verständlich. Wirklich interdisziplinäre Kunst ist also geboten, aber im gemütlichen Rahmen und ohne elitäre Ansprüche.

Andreas Koll und Josef Wittmann kennen sich seit den Anfängen der Kleinkunstszene in Bayern. Gemeinsame Auftritte mit „schräger Volksmusik“ hatten sie mit der Gruppe „Die Interpreten“ (Rehling, Koll, Binegger) und das gegenseitige Interesse zwischen dem Sammlungs-Leiter des Valentin-Musäums und dem Lyriker mit Industrie-Job ist nie erloschen. Man soll also bitte keine biedere Verserl-Lesung mit traditionellem Heimatklang erwarten, sondern witzig vorgetragenen Stoff zum Nachdenken. Die Bilder an den Wänden werden passend zur Aufführung ausgewählt. Und bestimmt gibt es gute Gelegenheit, über das Gehörte nachzudenken und sich darüber zu unterhalten.

Die Aufführung beginnt am Freitag, 6. Februar um 19:00 Uhr.
Anmeldung ist sinnvoll – Tel. 08683 1272, mail: post@luise-wittmann.de, oder WhatsApp +49 190 8353274.

Ausstellung „Linien-Spiel“ im Zollhäusl

Aktskizzen von Luise Wittmann und Raum-Installation von Veronika Wittmann

Die Galerie im Zollhäusl an der Salzachbrücke in Tittmoning besteht seit zehn Jahren. Mit durchschnittlich drei Kunst-Ausstellungen im Jahr und den unterhaltsamen Vernissagen auf engstem Raum ist es ein beliebter Treffpunkt geworden, zu dem anspruchsvolle Kunstkenner ebenso gerne kommen wie interessierte Leute, die das Rahmenprogramm und die Gespräche mit Gleichgesinnten schätzen. Die Herbst-Ausstellung in diesem Jahr widmet die Galeristin der Künstlerin Luise Wittmann (also sich selbst) und ihrer Tochter, Veronika Wittmann. Die zwei völlig unterschiedlichen Präsentationen tragen gemeinsam den Namen „Linien-Spiel“.

Veronika Wittmann wartet im Untergeschoß des ehemaligen Amtsgebäudes mit einem Raumgebilde aus Bambusstangen auf, das an ein Raumgitter erinnert, wie es für die Planung von Bauwerken, Leitungen, Wegen verwendet wird: Linien, die eigentlich unbegrenzt sind, aber für eine kurze Strecke ausgeführt die Objekte umfassen, die hier entstehen sollen.
Das natürlich gewachsene Material lässt sich aber auch als Geflecht von Lebens-Linien verstehen, die in die Weite führen, aber sich vielfach auf spannende Weise kreuzen und verbinden. Und wer darin einfach eine Hütte sehen will, die man zwar betreten kann, aber nicht nutzen, ohne sich dabei selbst zu verändern, liegt auch nicht falsch.

Im einstigen Dienstzimmer der Zollbehörde, zu ebener Erde, zeigt Luise Wittmann eine Auswahl an Aktskizzen. Das Besondere daran ist, dass nicht ein ruhender Körper, liegend, sitzend, stehend, kniend, Gegenstand des Bildes ist, sondern Bewegung: die des Modells, die des Betrachters, die des Zeichenblatts. Dennoch sind die Linien charakteristisch für die Köperformen. Auch dabei sind verschiedene Sichtweisen und Interpretationen möglich, das Spiel mit den Linien bezieht den Betrachtenden ein.

Die Ausstellung beginnt mit der Vernissage am Mittwoch, 22. Oktober, 19:00 Uhr. Sie ist dann von Freitag, 24.10. bis Sonntag, 26.10. sowie am Donnerstag, 30.10 und am Freitag, 31.10. jeweils von 15:00 bis 18:30 Uhr geöffnet. Zur Vernissage wird Jürgen Geers die Einführungsrede halten. Statt Musikbegleitung hat sich die Galeristin eine Sprach-Performance gewünscht, die Josef Wittmann aus Gedichten zeitgenössischer Autoren zusammenstellen und vortragen wird. Der Eintritt ist wie immer im Zollhäusl frei.

Vorankündigung: Freier Fall – Kunst im Zeitalter der künstlichen Intelligenz

Mit dem Projekt „Freier Fall“ wagen wir eine neue Perspektive auf die Kunst, die sich frei von Regeln, Zwängen, Moden und Stilmitteln, nun sogar von ihren Schöpfern zu emanzipieren scheint. Im Zentrum steht die Frage, wie die neu gewonnenen Freiheits- und Möglichkeitsräume durch den Einsatz von KI künstlerisches Schaffen beeinflussen. Eröffnet die künstliche Intelligenz der Kunst einen Raum, der bisher Unvorstellbares möglich und sichtbar macht? Oder birgt die neue Technik Gefahren, indem sie das Wesen und die Authentizität künstlerischer Arbeit infrage stellt?

In einer trimedialen Ausstellung (erstmals am 4. und 6.4.2025) im Tittmoninger Zollhäusl präsentieren Künstler die erstaunlichen Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit mit KI in Bildern, Texten und Tönen, ermöglichen Einblicke in einen Dialog zwischen Mensch und Maschine, der neue Arbeitsweisen und Stilmittel erschließt. Die Werke laden Besucher dazu ein, über das Potenzial und die Verantwortung der Kunst im Zeitalter der Algorithmen zu reflektieren. „Freier Fall“ bietet eine Plattform, auf der sich Kunst und KI zu einer neuen Form von Kreativität verbinden und dabei vielfältige Fragen über die Zukunft, nicht nur der Kunst, aufwerfen. Die Büchse der Pandora ist geöffnet und die neuen Möglichkeiten einer kaum mehr zu kontrollierenden digitalen Entwicklung werden weltweit die Gesellschaft verändern.

Mitwirkende: ChatGPT und Stable Diffusion, sowie Inge Kurtz und Heidi Unger (Bilder, Statements) Jürgen Hagen (Studio Digiton Records, Traunstein): Kompositionen, Sounddesign, Statement, Maura Hagen (Sprache), Bernadette Irgmaier (Puppen), sowie Jürgen Geers (Moderation und Texte).

„Farbe ist ganz meins“: Ausstellung von Sylwia Komperda im Zollhäusl eröffnet

Mit einer bestens besuchten Vernissage unter freiem Himmel begann die Ausstellung „Heimatfarben – Farbenheimat“ von Sylwia Komperda in der Tittmoninger Galerie im Zollhäusl. Zumeist spürbar von Landschaft und Gärten inspiriert, tendiert ihre Malerei zum freien Spiel mit der reinen Farbe.

Mit leuchtend bunten Bildern zwischen Impression, Abstraktion und reiner Farbigkeit kehrt Sylwia Komperda zurück ins heimatliche Tittmoning. Mit den Eltern in den Achtziger Jahren aus dem polnischen Wadowice gekommen, hat sie in Wiesmühl und Törring gewohnt, ist in Traunstein zur Schule gegangen und war in Kay als Zahntechnikerin beschäftigt. Seit gut zehn Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Farbmalerei. Sie hat an der Akademie in Bad Reichenhall bei Jerry Zeniuk studiert und in Kolbermoor den Meister in Farbmalerei erworben.

Mittlerweile lebt sie in Freilassing und ist Mutter zweier Kinder. Für ihren Brotberuf bedeutet das eine Auszeit im Mutterschutz. In der Kunst aber macht sie keine Pause – es verschieben sich höchstens die Arbeitszeiten. „Ich arbeite gerne nachts“, sagt sie. So leicht und luftig die meisten ihrer Bilder wirken, manchmal sei es ein richtiger Kampf, bis in der Komposition alles stimme. „Dann muss ich ein Bild auch mal stehenlassen, bis es weitergeht. Ich habe eigentlich immer mehrere Werke gleichzeitig in Bearbeitung.“ An manchen arbeitet sie mehrere Wochen, ja Monate lang. Ganz wenige entstehen auch an einem Stück, innerhalb eines Tages.

Strahlende Farbkompositionen

Auf dem engen Raum von Luise Wittmanns kleiner Galerie an der Salzachbrücke präsentiert Sylwia Komperda durch geschickte Hängung einen reichen Reigen zumeist strahlender kleinerer und großformatiger Farbkompositionen, in denen sie sämtliche Möglichkeiten und Erscheinungsformen der Ölmalerei auslotet. Leuchtender Glanz und matte Farbe, wild bewegter Strich und ruhig gesetzte Fläche, durchscheinender Grund und pastos-plastisches Relief, horizontale Schwere und bewegte Vertikale – jedes Bild hat seine eigenen Gesetze, seinen eigenen Rhythmus und vor allem seine ganz eigenen Farbklänge. Blumenbeete und Landschaften sind zu erahnen hinter den Farbflächen und -strichen, ganz selten auch ein Tier oder eine menschliche Figur. Worauf es ankommt aber, was zum Betrachtenden spricht, sind die meisterhaft in Farben übersetzten Gefühle und Schwingungen, die Natureindrücke auslösen.

In Form und Farbe bringen, was uns bewegt

Wie Josef Wittmann in seiner kurzen Einführung darlegte, ist es das Wesen der Kunst, nicht abzubilden, was „eh schon da“ ist, sondern vielmehr, „uns etwas zu zeigen, was wir im Alltag gewöhnt sind zu übersehen.“ Den Heimatbegriff aus dem Titel fasste er weit: Nicht nur als Landschaft, in der man sich wohlfühlt, sondern auch als ein Zusammenwirken von Eindrücken, die den Menschen formen und denen er vertraut.“ Farbmalerei könne das Wesentliche, was uns bewege, in Formen und Farben bringen.

Universell wie die Klänge der Farben sprechen auch die Klänge der Musik zu den Menschen. Ausgehend vom Thema „Heimat“ hatte der junge peruanische Gitarrist Ivan Ramirez, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt, zur Vernissage Kompositionen aus Kuba von Leo Brouwer und aus Mexiko von Manuel Ponce mitgebracht, aber auch Carcassi und Bach – vielfältig wie das, was Menschen unter Heimat verstehen.

Die zahlreich erschienen Vernissagengäste lauschten gerne den sanften Klängen seiner Gitarre, wobei die vorbeifahrenden Pkws den Kunstgenuss leider schmälerten. Aber drinnen in der Galerie hätten sie gar nicht alle Platz gehabt. Das Wetter hielt, und so konnte man sich nach Ende der Eröffnung verteilen, drinnen die Werke betrachten, draußen ein Gläschen trinken und plaudern. Wieder eine gelungene Vernissage im Zollhäusl!

Die Ausstellung ist bis 28. Juli immer am Freitag, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr geöffnet – also auch beim Stadtfest am 27. Juli.

Heimatfarben Farbenheimat

Sylwia Komperda stellt im Zollhäusl aus

Das „Zollhäusl“ an der Salzachbrücke – bis 2002 Grenzgebäude der Bundeszollverwaltung – sieht unscheinbar aus, hat sich aber zu einer Kunstgalerie gemausert, die von immer mehr Kunst­interessierten beachtet wird. Das liegt an der Galeristin Luise Wittmann, die mit scharfem Blick und gutem Kunstverstand außergewöhnliche Werke erkennt und die Künstler*innen einlädt, egal, wie berühmt sie schon geworden sind. Auch die Vernissagen dort haben Stil: Selten drängen sich so viele Besucher so dicht zusammen, um Bilder zu sehen, der Einführung und der Musik zu lauschen, mit einander zu reden und die Künstler und Künstlerinnen kennenzulernen.

Am 13. Juli beginnt die Ausstellung „Heimatfarben – Farbenheimat“ von Sylwia Komperda. 1980 in Polen geboren, seit der Kindheit in Südostbayern daheim, hat sie zunächst einen Handwerksberuf gelernt und ausgeübt, dann aber an der Akademie für Farbmalerei in Bad Reichenhall bei Prof. Jerry Zeniuk studiert. Eine lange Liste von Ausstellungen bezeugt ihren Schaffens-Eifer und die zunehmende Akzeptanz; ein Ankauf der Bayerischen Staatsgemäldesammlung die hohe Qualität ihrer Arbeiten.

Ausstellung Sylwia Komperda "Malerei", Portrait der Künstlerin
Ausstellung Sylwia Komperda – Foto Michael Krieger

Sylwia Komperda hat im Studium gelernt, allein mit Farbe auszudrücken, was es an Wesentlichem zu sehen gibt. „Die Spannung spiegelt die Kultur, die Zeit vermittelt das ganze Bild.“ Den Lehrsatz von Jerry Zeniuk hat sie beherzigt. Tatsächlich teilt sich in ihren Bildern allein durch die Farben und die in der Komposition erzeugte Spannung ein sensibles Verständnis der Dinge, der Emotionen, der Zusammenhänge mit, ein harmonisches Ganzes, in dem sich auch ein Betrachter zurechtfinden kann, der zu informeller Malerei schwer Zugang findet. Es sind die Farben der Heimat, das ist auf den ersten Blick zu sehen, aber es ist keine plakativ-gegenständliche Landschaft, die für Heimat steht, sondern ein Spannungszustand, der sich mitteilt und den Betrachter einbezieht. Eben eine Heimat in den Farben.

Die Vernissage findet am Samstag, 13. Juli um 19:00 statt. Die Ausstellung ist dann jeweils Freitag, Samstag, Sonntag von 15:00 bis 18:00 Uhr zu sehen. Sie endet am Sonntag, 28. Juli. Der Eintritt ist frei.